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Anmerkungen

Anmerkungen

Beitragvon Dr Burkhard Muche » 21.03.2014, 08:11

Allgemeines: Kurzfassung

Liebe Mitglieder der Leitlinienkommission,

zunächst vielen Dank und meinen großen Respekt für die immense Arbeitsleistung, die hinter dieser Aktualisierung der Leitlinie steckt! Ich denke, dass es Ihnen allen gelungen ist, mit der Langfassung eigentlich ein aktuelles deutschsprachiges Lehrbuch zum Thema der Osteoporose zu erstellen.

Ich möchte auf der anderen Seite aber die Frage nach dem Ziel und Umfang der Leitlinie stellen, insbesondere auch der "Kurz"fassung. Nach meinem Verständnis soll eine Leitlinie dem Nichtspezialisten dazu dienen, mit hinreichender Sicherheit 90 oder 95% der vermuteten Osteoporosepatienten zu erkennen und adäquat zu therapieren. Das muss einfach und rasch möglich sein.
Dem Primärarzt ist es meiner Meinung nach aber nicht mehr zumutbar, für nur ein Krankheitsbild eine 11-seitige Leitlinie zu lesen und grob zu verinnerlichen - es gibt diverse andere Krankheitsbilder mit ebenfalls gültigen und regelmäßig aktualisierten Leitlinien zu betreuen... Eher passiert mit solch einer schwerverdaulichen Leitlinie, dass das Krankheitsbild der Osteoporose einen stärkeren Interessenverlust erfährt, wie es ohnehin in den letzten 2-3 Jahren scheint (nach meiner Kenntnis abnehmende Tendenz von Arzneimittelverordnungen bezogen auf DDD). 2009 war die Leitlinie "nur" 4 Seiten lang...
Z.B. ist bei den Risikofaktoren die - sicherlich evidenzbasierte - Aufteilung in die verschiedenen Altersgruppen hinderlich, zumal kleingedruckt in der höheren Altersgruppe folgender Satz steht: "bei Vorliegen multipler Risikofaktoren und damit einem mutmaßlich höherem Frakturrisiko individuell auch bei Frauen ab der Menopause und bei Männern ab dem 60. Lebensjahr". Logisch betrachtet kommt man bei jüngeren Patienten gar nicht auf die Idee, in der Tabelle der "alten" weiterzulesen.
Einen Schritt zurückzutreten, um wieder einen Blick aufs Ganze zu erlangen, erscheint mir – zumindest für evtl. weitere Überarbeitungen – wünschenswert. Oder sollen wir neben der Patientenleitlinie auch eine Unterscheidung in Spezialistenleitlinie (wie vorliegend) und Hausarztleitlinie (wäre dann noch zu erarbeiten) anstreben???

Risikofaktor "subklinischer Hypercortisolismus"
Das Erkrankungsbild des "subklinischen Hypercortisolismus" mag ebenfalls EBM sein, allerdings wird dieses nur bei aufwändigem gezieltem Screening zu erfassen sein, m.E. eine Rarität und praktisch irrelevant für ein Case-Finding.

Risikofaktor „Primärer Hyperparathyreoidismus“
Ohne Zweifel ist dies ein Frakturrisikofaktor, allerdings m.E. zumindest in starker Ausprägung nicht unbedingt zum typischen histologischen Bild einer Osteoporose führend. Übertrieben gesagt, können auch Risikosportarten wie Springreiten oder Fallschirmspringen analog als Frakturrisikofaktoren aufgeführt werden, ohne etwas mit Osteoporose zu tun zu haben….

Therapieindikation:
„Niedrigtraumatische Schenkelhalsfraktur, wenn T-Score < -2,0 an mindestens einem Messort“
Die HORIZON-RFT-Studie mit Zoledronat hat Patienten nur anhand der vorliegenden Fraktur, nicht anhand des T-score <-2,0 eingeschlossen. M.E. ist daher die Einschränkung auf niedrige T-Scores praktisch fragwürdig, ebenso die differente Betrachtung von pertrochantärer und Schenkelhalsfraktur.

Therapieschwellenanhebung „Protonenpumpenhemmer“ / Zöliakie
Wie sicher können wir sein, dass wir das mutmaßlich erhöhte Frakturrisiko durch PPI oder Zöliakie durch die gängigen Osteoporosetherapeutika beeinflussen können?


Dr.med.Burkhard Muche
Dr Burkhard Muche
 

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